Mit dem Bau der Pinguin-Anlage beginnt im Frankfurter Zoo eine neue Ära der Pinguin-Haltung

Raus aus dem Haus

Mit dem Bau der Pinguin-Anlage beginnt im Frankfurter Zoo eine neue Ära der Pinguin-Haltung

(pia) Im Spätsommer ist es endlich soweit: Die Bauarbeiten an der neuen Freianlage für Humboldt-Pinguine beginnen – ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Frankfurter Zoos. Eine Fläche von insgesamt fast 2.000 Quadratmetern mitten im Zoo wird dafür vollkommen neu gestaltet und aufgewertet. Der Neubau ist dringend notwendig, denn die Anlage der Eselspinguine im Exotarium aus den späten 1950er Jahren entspricht nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Zootierhaltung. Das sehen auch die Veterinärbehörden so. Nach der Beschlussfassung durch die städtischen Gremien beginnen im Spätsommer 2016 die Bauarbeiten.

„Die neue Pinguin-Anlage ist ein wichtiger Beitrag auf dem Weg des Frankfurter Zoos zu einem der führenden Natur- und Artenschutzzentren weltweit“, sagt Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig. „Die heute vorgestellten Planungen für die Anlage zeigen, dass sich die charismatischen Humboldt-Pinguine in der großzügig gestalteten Umgebung wohlfühlen werden. Gleichzeitig entsteht eine neue Attraktion für die große Fangemeinde der tierischen Frackträger. Es ist schön, dass der Zoo als meistbesuchte Freizeiteinrichtung Frankfurts mit einem internationalen Publikum, was vor allem aus Kindern und Familien besteht, in meiner Zuständigkeit liegt“, so Hartwig weiter.

„Die Umgestaltung des Frankfurter Zoos geht weiter“, freut sich auch Zoodirektor Manfred Niekisch. Nach der Eröffnung des neuen Eingangs und der Anden-Anlage Ukumari-Land im Sommer 2013 sowie der neuen Quarantänestation im September 2014 kann der Zoo nun mit dem Bau der neuen Pinguin-Anlage beginnen. Nach vielen Jahren der Planung und Umplanung – zunächst war ein Haus für drei Pinguin-Arten angedacht – entsteht nun mitten im Zoo eine große Freianlage für Humboldt-Pinguine. Damit werden die Entwicklung des Frankfurter Zoos zu einem modernen Naturschutzzoo weiter fortgeschrieben und eine artgerechte Haltung zum Wohl der Tiere ermöglicht.

„Humboldt-Pinguine leben an den Pazifikküsten Nordchiles und Perus, sie kommen also mit unserem Klima sehr gut zurecht, sodass sie ganzjährig auf einer Außenanlage gehalten werden können“, erklärt Zoodirektor Niekisch. „Wir benötigen für diese Pinguinart keine aufwändige Kühlung in einem geschlossenen Haus – das spart sehr viel Energie. Woran wir aber nicht sparen, sind Platz zum Schwimmen, Tauchen und Brüten für unsere Pinguine und viele spannende Informationen und Beobachtungsmöglichkeiten für unsere Besucher.“

Mit dem Bau der Anlage wurden das Architekturbüro Liquid Fay Architekten aus Frankfurt und die Landschaftsarchitektin Ariane Röntz beauftragt. Röntz, die ihr Büro in Berlin hat, war seinerzeit bereits mit der landschaftsgärtnerischen Gestaltung der Bereiche neuer Zooeingang und Ukumari-Land beauftragt. Das Hochbauamt der Stadt Frankfurt koordiniert die Baumaßnahme. „Die neue Pinguin-Anlage ist ein weiterer wichtiger Baustein zur Entwicklung des Frankfurter Zoos. Wir haben das Projekt von Grund auf mitentwickelt und werden nun gemeinsam mit dem Zoo daran arbeiten, dass es in hoher Qualität bei Einhaltung der in der Planung vorgegebenen Kosten und Termine umgesetzt wird“, sagt Hans Jürgen Pritzl, Leiter des städtischen Hochbauamtes.

Nach der Bären-Anlage und dem Zooeingang sowie der Quarantänestation ist die Pinguin-Anlage das letzte Projekt, das aus dem 30-Millionen-Euro-Paket finanziert wird, das der Magistrat 2008 für den Zoo beschlossen hat. Zur Finanzierung der Anlage tragen aber auch 260.000 Euro aus einer Spendenkampagne des Zoos für die Pinguine bei. „Dieses Geld“, so Niekisch, „hat es uns erlaubt, das ein oder andere Extra zu realisieren, das die Arbeit unserer Tierpfleger leichter und das Leben unserer Pinguine angenehmer macht. Allen Spendern gilt daher unser herzlicher Dank.“ Stadträtin Hartwig betont, dass der Zoo auch in Zukunft weiterentwickelt und das Investitionsprogramm fortgeschrieben werden müsse.

Die neue Anlage

Die neue Anlage ist für die zeitgemäße und artgerechte Haltung einer Pinguin-Kolonie von 30 bis 40 Brutpaaren ausgelegt. Sie umfasst einen 410 Quadratmeter großen, reich strukturierten Landteil mit vielen Bruthöhlen und einer eher zurückhaltenden Bepflanzung mit Sträuchern und Gräsern, die auf die felsige Heimat der Humboldt-Pinguine verweist. Nur am Rand der Anlage – vor allem zum Hügel des Exotariums hin – wird der bestehende Bewuchs mit großen Bäumen und Sträuchern ergänzt.

Zum Schwimmen und Tauchen steht den Pinguinen ein Becken mit unterschiedlichen Wassertiefen zur Verfügung, das 435 Kubikmeter Wasser fasst. Pflegerbereiche und Räume für die Technik sind so angeordnet, dass sie vom Besucher kaum wahrgenommen werden.

Die Architektur der Anlage zieht die Besucher in die Welt der Pinguine hinein. Man läuft nicht an der Anlage vorbei, sondern kann sie auf verschiedenen Ebenen erkunden. Es gibt Höhlen mit Unterwassereinblicken und wechselnde Einblicke auf unterschiedlichen Niveaus. Hier kann man die Pinguine hervorragend bei ihren rasanten Schwimmmanövern beobachten. Sanft führt der Besucherweg in einer Schleife nach oben, sodass sich der Blick über die Wasseroberfläche und den Landteil öffnet, bis man schließlich auf einer Landzunge gleichsam mitten in der Pinguin-Kolonie seinen Beobachtungsposten beziehen kann. Das Besondere: Das neue Pinguin-Becken schließt direkt an den Großen Weiher an. So entsteht der Eindruck einer weiten Landschaft.

Interaktive Tafeln und Modelle werden die Tierbeobachtung mit vielfältigen Informationen über die Humboldt-Pinguine und ihre natürlichen Lebensräume auf gut verständliche und spielerische Weise ergänzen. Durch die neue Anlage kann die Wegeführung im Zoo verbessert werden. Mit dem Wegfall des Weges entlang des Großen Weihers zwischen Katzendschungel und Robbenklippen wird eine leicht nachvollziehbare Rundroute entlang der großen Tierhäuser geschaffen.

Der Durchbruch in der Zoomauer für die Baustellenfahrzeuge wird nach dem Abschluss der Bauarbeiten in eine neue Feuerwehrzufahrt umgewandelt.

Die neuen Bewohner

Humboldt-Pinguine (Spheniscus humboldti) gehören zur Gattung der Brillenpinguine (Spheniscus). Wie diese tragen sie eine charakteristische Geschichtsmaske. Die schwarzen Punkte auf dem hell gefiederten Bauch sind bei jedem Tier einzigartig. Die 60 bis 70 Zentimeter großen Tauchjäger gehen im Humboldtstrom vor den Küsten Chiles und Perus auf Jagd nach Sardinen und Anchovis. Humboldt-Pinguine leben gesellig in Kolonien und gehen lebenslange monogame Partnerschaften ein. Auf küstennahen Inseln ziehen sie zumeist zwei Küken groß. Ihre natürlichen Feinde sind unter anderem Schwertwale, Seelöwen und Dominikanermöwen. Die schlimmste Bedrohung geht jedoch vom Menschen aus. Überfischung und Verschmutzung der Meere entziehen vielen Pinguinarten die Lebensgrundlage. Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Humboldt-Pinguine als gefährdet ein. Der Populationstrend ist deutlich negativ.

Foto: copyright_Zoo_Frankfurt


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