Beduinische Besucher

Beduinische Mädchengruppe aus Israel zu Besuch

Die Kinder- und Jugend-Aliyah, gegründet 1933, um jüdische Kinder dem NS-Regime zu retten, betreut heute in 145 Jugenddörfern in Israel über 20.000 vor Heranwachsende. In diesen Jugend­dörfern leben sehr viele Zuwanderungskinder sowie Kinder aus benachteiligten Familien. Sie stammen aus den unterschiedlichsten kulturellen und religiösen Hintergründen. Da insbesondere im südlichen Bereich der Negev-Wüste sehr viele Beduinen in untereinander sehr zerstrittenen Stammeskulturen leben und ein Großteil der Jugendlichen wenig Zugang zu Bildung haben, hat das israelische Erziehungsministerium in den letzten Jahren Jugenddörfer insbesondere für beduinische Jugendliche in dieser Region eröffnet.

Bis dato wurden jedoch überwiegend Jungs unterrichtet, da die Beduinen nicht gern ihre Mädchen außerhäusig betreut wissen. Seit gerade einmal drei Jahren gibt es ein neues Jugenddorf, Kochve Ha’Midbar, in dem Jungen und Mädchen gleichermaßen aufgenommen und unterrichtet werden. Sie alle haben besondere Führungsqualitäten und starke Charaktere. Die Idee ist, wenn solche Vertreter der einzelnen Stämme miteinander erzogen werden, dass sie schlichtend zwischen den Stämmen wirken können und vor allem Selbstbewusstsein, Emanzipation und Bildung in diese Gemeinschaft tragen können.

Als Deutsches Komitee der Kinder und Jugend-Aliyah, ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein, engagieren wir uns bereits seit vielen Jahren mit bilateralen Projekten, um israelischen Jugendlichen in meist einwöchigen Besuchen in Deutschland Ausbildungsinput zu geben, Horizonterweiterung und interkulturellen Austausch zu ermöglichen. Das Projekt mit einer Delegation beduinischer Mädchen ist nicht nur für uns eine neue Erfahrung. Erstmalig überhaupt wird im März 2018 eine Gruppe von zwölf Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren in Begleitung von drei Pädagoginnen/Betreuerinnen nach Frankfurt kommen. Programminhalte sind beispielsweise Begegnung und gemeinsames Training mit der Mädchenmannschaft von Eintracht Frankfurt, Wochenende mit einer Pfadfinderinnengruppe, Besuch eines Mädchenclubs, Touren der Opel-Werkstätten, Müllheizkraftwerk und Flughafen, ein Selbstverteidigungskurs, Besuch der Eissporthalle, Steinmetzworkshop mit einer Steinmetz-Meisterin.

Wir sind überzeugt, dass für die jungen beduinischen Mädchen in ihrer Entwicklung zu Emanzipation und dem eigenen Selbstverständnis gerade ein Besuch in Deutschland, die Erlebnisse mit der fremden Kultur und Begegnungen mit Mädchen und Frauen, die in dieser an starken Frauen­persönlichkeiten reichen Kultur aufgewachsen und davon geprägt sind, eine besonders wertvolle und horizonterweiternde Erfahrung ist.

Bei der Programmplanung haben uns die Stadt Frankfurt und besonders das Frauenreferat unterstützt.

Text und Foto: Pava Raibstein

Frankfurter Zeitungsverlag


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