Paulskriche 50 Jahre Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei

Paulskirche: 50 Jahre Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei

In den Nidda-Auen suchte der Frankfurter Künstler Johann Heinrich Limpert (1858-1938) einst nach Motiven für seine Gemälde. Begleitet wurde er hierbei von seinem Großneffen Helmut Schneider, der als kleiner Junge mitging bei den Ausflügen des Malers. Gut 2000 Ölgemälde hat Limpert bis zu seinem Tod erschaffen. Rund 450 dieser Werke überstanden den Zweiten Weltkrieg unversehrt. Die Erinnerungen an den Großonkel und dessen Werk, waren für Helmut Schneider Anlass, sich auf Spurensuche zu begeben. Er gründete 1968 zunächst den „Limpert-Arbeitskreis“, aus dem später die „Gesellschaft zur Förderung der Frankfurter Malerei“ hervorging. 50 Jahre liegt dies bereits zurück. Das Jubiläumsjahr 2018, mit dem auch der 160. Geburtstag von Johann Heinrich Limpert gefeiert wird, startet mit einer großen Ausstellung in der Frankfurter Paulskirche, die am

Dienstag, 17. April, um 19 Uhr

eröffnet wird.

Die Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei begann ihre Arbeit zu einer Zeit, in der die Malerei als Kunstform hinterfragt wurde. Figurative und gegenständliche Malerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach durch abstrakte Darstellungsformen abgelöst. In dieser Zeit aber erkannte Helmut Schneider die Bedeutung der regionalen Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die er zu bewahren suchte. Er und seine Mitstreiter konzentrierten sich zunächst auf das Werk von Limpert – weitere Frankfurter Künstler kamen mit dazu wie Johann Heinrich Hasselhorst (1825 – 1904), Wilhelm Altheim (1871 – 1914), Friedrich Ernst Morgenstern (1853 – 1919) oder Fritz Boehle (1853 – 1919). Hasselhorst, von dem in der Paulskirchen-Ausstellung unter anderen ein großformatiges Porträt einer jungen Damen zu sehen ist, studierte an der Frankfurter Städelschule und war Schüler von Moritz von Schwind (1804 – 1871) und Jakob Becker (1810 – 1872). Nach Studienaufenthalten in Paris und Rom, begleitete er in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Expedition, die ihn unter anderem nach Island führte. Johann Heinrich Hasselhorst unterrichtete auch als Zeichenlehrer an der Städelschule. Die Ausstellung zeigt weitere Werke Frankfurter Künstler wie eine Ansicht des Römerbergs, eine aquarellierte Federzeichnung vom Friedrich Wilhelm Delkeskamp (1794 – 1872). Außerdem Arbeiten unter anderem von Johann Heinrich Limpert (1858 – 1938), Anton Burger (1824 – 1905), Hans Thoma (1839 – 1924), Friedrich Wilhelm Mook (1888 – 1944), Hanny Franke (1890 – 1973), Joseph Kaspar Correggio (1870 – 1962) und Gustav Peter Franz Schraegle (1867 – 1925) sowie weitere Darstellungen der Frankfurter Altstadt.

 

Die aktuelle Schau in der Paulskirche bezieht auch die Veränderung des Stadtbildes in der Altstadt mit ein. Im Hinblick auf die geplante, offizielle Eröffnung der rekonstruierten Frankfurter Altstadt im September 2018, sind in der Ausstellung zwei Tafeln zu sehen, die sich mit dem Zustand des Bereiches zwischen Markt und Schnurgasse (heutige Berliner Straße) vor dem Durchbruch der Braubachstraße 1900 bis 1904 auseinandersetzen. Die Architektin Professor Christin Scheiblauer hat hierzu Pläne, Fotos und Reproduktionen von Aquarellen von Carl Theodor Reiffenstein (1820 – 1893) zusammengestellt, die den Verlust wichtiger Bausubstanz schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts belegen. Zur Eröffnung wird es hierzu eine Einführung geben. Außerdem zeichnet die Schau die Geschichte der Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei nach.

 

Der Vereinsgründer Helmut Schneider, der bis 2002 den Vereinsvorsitz innehatte und im Jahr 2010 verstarb, machte es ich zur Aufgabe zahlreiche Ausstellungen mit Werken Frankfurter Künstler zu organisieren. Er wollte diese den Bürgern der Stadt bekanntmachen und näherbringen. Eine der wichtigsten Präsentationen war im Jahr 1988 eine Werkschau mit 101 Exponaten über die Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts im Historischen Museum. Zu dieser Zeit bereits lag der Fokus der Gesellschaft nicht mehr nur auf Künstlern aus Frankfurt, sondern auch aus dem Rhein-Main-Gebiet. Für sein langjähriges, ehrenamtliches Engagement ist Schneider im Jahr 1994 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

 

Die von Schneider einst gesetzten Schwerpunkte sind bis heute Leitfaden in der Arbeit des Vereins.  Die Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei, die aktuell von Daria Bottero-Heller als Vorsitzende geführt wird, bezieht seit einigen Jahren zudem verstärkt auch Kinder und Jugendliche mit ein und bringt ihnen die Werke regionaler Künstler näher: So gab es im vergangenen Jahr ein Schulprojekt mit der Griesheimer Boehleschule und der Fritz-Boehle-Schule in Emmendingen, dem Geburtsort des Künstlers, bei dem sich die Kinder mit den Kunstwerken des Namensgebers ihrer Grundschulen auseinandersetzten und die Ergebnisse als Teil einer Boehle-Ausstellung in der Paulskirche 2017 präsentierten. „Auch in Zukunft soll es weitere Projekte mit Kindern geben. Wir möchten das Interesse für die Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts schon bei den Jüngsten wecken“, sagt Daria Bottero-Heller.

 

Die Ausstellung in der Paulskirche, Paulsplatz 1, läuft vom 18. April bis zum 29. April und kann montags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

 

Text: A. Flieth

Foto: delkeskamp friedrich wilhelm roemerberg

 


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