Erschreckender Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche

Erschreckender Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche

Diözesanversammlung beschäftigt sich mit Missbrauch und Kinderarmut

WIESBADEN/LIMBURG. – Den Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche im Zuge immer neuer Aufdeckungen von Missbrauchsfällen hat Beatrix Schlausch, die Präsidentin der Diözesanversammlung, beklagt. Die in Umfragen dazu ermittelten Zahlen seien erschreckend. Auf der jüngsten Sitzung des Gremiums am Samstag, 6. März, im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod äußerte sie sich „tief erschüttert“ über das Ausmaß der Fälle. Ausdrücklich betonte sie in ihrem Bericht, dass sie Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz van Elst in seinem erklärten Bemühen um rückhaltlose und konsequente Aufklärung aller Fälle im Bistum Limburg bestärke. Thematisch beschäftigte sich die Sitzung mit dem Thema Kinderarmut. Mit einer dazu veröffentlichten Erklärung will die gewählte Vertretung der Katholiken des Bistums auf den Skandal aufmerksam machen, dass in einem reichen Land wie Deutschland jedes 6. Kind in Armut aufwächst. Unter dem Titel „Die Stärke einer Gesellschaft misst sich am Wohl der Schwachen“ fordert die Diözesanversammlung den Gesetzgeber auf, das aktuelle Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu den Regelsätzen vollständig umzusetzen.

Über Umfang, Ursachen, Folgen und Prävention von Kinderarmut informierte Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Frankfurt. Mit vielen Zahlen und Fakten belegte sie ihre Aussagen, dass Armut von Kindern ein strukturelles Problem sei und dass sie Kinder und Jugendliche ihrer Lebens- und Zukunftschancen beraube. Die Prävention von Armut bezeichnete die Referentin als sozialpolitische Pflichtaufgabe. Kirche(ngemeinden) und Caritas könnten ihrer Ansicht nach in dreifacher Hinsicht tätig werden: als soziale Orte mit der Möglichkeit, sich zu beteiligen, als Träger und Anbieter von entsprechenden Angeboten und Rahmenbedingungen sowie als politische Akteure, unter anderem als Sprachrohr gegenüber der breiten Öffentlichkeit. Als Beispiel dafür nannte sie die Bistums-Kampagne „Kinderarmut bekämpfen“.

In der von der Versammlung verabschiedeten Erklärung sind mit Blick auf das Recht jedes jungen Menschen auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit sechs Forderungen formuliert. An die Verantwortlichen im Bistum und in den Pfarrgemeinden richtet sich die Aufforderung, der Frage Mutter Theresas nachzugehen: „Kennt ihr die Armen eurer Stadt?“ Strukturelle Veränderungen erforderten sowohl Aufmerksamkeit als auch caritatives und politisches Engagement vor Ort.

In ihrem Bericht zu Beginn der Sitzung erinnerte die Präsidentin an den „gelungenen Festakt“  zum 40. Geburtstag der synodalen Gremien im Bistum Limburg und wies auf die Beteiligung der Diözesanversammlung am ökumenischen Kirchentag hin. Auf besondere Aufmerksamkeit stießen die Passagen, die sich mit den Missbrauchsfällen beschäftigen. Dabei unterstrich Beatrix Schlausch eindringlich die von  Bischof Tebartz-van Elst genannte Perspektive: „Unsere primäre Verantwortung als Kirche gilt den Opfern.“ Es gehe um individuell adäquate Hilfeleistungen für sie und darum, „alles uns Mögliche zu tun, um neue Missbrauchsfälle zu verhindern.“ Der Wille zur Aufklärung und Prävention werde gerade durch Papst Benedikt XVI. und seine Art des Umgangs mit den international bekannt gewordenen Missbrauchsfällen bestärkt. Mit Beifall bedachten die Delegierten die von ihr geäußerte Sorge um die Glaubwürdigkeit der Kirche: „Meine Frage ist, wie wir unsere Botschaft glaubwürdig verkündigen sollen, wenn die Institution Kirche nicht mehr als glaubwürdig gilt?“

Der gesamte Bericht der Präsidentin und die Erklärung der Diözesanversammlung kann im Wortlaut unter www.bistumlimburg.de nachgelesen werden.


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