Schwanheim: Einst eine erfolgreiche Sängerhochburg!

Einst eine erfolgreiche Sängerhochburg!

(Schwanheim) (bvö/nm) Die Mitglieder, Freunde und Förderer der Chorgemeinschaft Schwanheim feiern 150 Jahre Männergesangverein „Concordia 1860“ e. V. und 140 Jahre Gesangverein Sängerlust 1870 e. V. mit einem festlichen Jubiläumsempfang am 16. April 2010 um 18.30 Uhr im katholischen Gemeindehaus St. Mauritius. Wenn auch die Anzahl der Sänger in Schwanheim in den letzten Jahren stetig abgenommen hat, so ist bei den etwa 25 aktiven Mitgliedern der Chorgemeinschaft das gesellige Beisammensein mit Gesang ein sehr beliebtes Hobby geblieben. Jeder von ihnen kann auf eine oft Jahrzehnte lange Mitgliedschaft zurückblicken. Nach wie vor bestimmen alljährlich besondere Konzerte und Ausflüge das gesellige Zusammensein der Sänger. Fröhliche Lebensideale, familiäres Miteinander und nicht zuletzt der Wille zum gemeinschaftlichen Gesang waren Ausdruck ihrer Vorväter zur Gründung des Männergesangsverein Concordia am 1. Juli 1860 und des Gesangverein Sängerlust 1870 eV. am 6. November 1870, die auf eine 150 Jahre währende Geschichte in Schwanheim zurückblicken. In den Gründungsjahren der beiden großen Gesangvereine „Concordia 1860“ und „Sängerlust 1870“ gewann die neu gewonnene Freizeit nach der Arbeit auf dem Bauernhof, als Handwerker und auch als Fabrikarbeiter in ganz Deutschland an Bedeutung. „Gleiche Ideen sollten umgesetzt werden und so entstanden Gruppen und Vereine, auch in Schwanheim“ berichtet Norbert Merkel, der seit etwa 20 Jahre 2. Vorsitzender der Concordia ist und seit mehr als 25 Jahre aktiv singt. Der Männergesangverein Concordia wurde 1860 von 27 Mitgliedern – darunter u. a. Lehrer Jung in der Gaststätte von Anton Peter gegründet. Die ersten Gesangsstunden waren sonntags und als Beitrag wurden zuerst 12 Kreutzer, später noch drei Kreutzer entrichtet. Die Fahnenweihe am 25. Juni1865 war das erste große Ereignis im Vereinsleben, wobei die Kosten für die, in Mainz angefertigte Fahne 280 Gulden betrug und von Spenden gezahlt wurde. Nahezu 1000 Sänger von 26 Vereinen aus der umliegenden Region, sogar bis ins Ruhrgebiet, beteiligten sich am Fest und wurden am Ortseingang von Schwanheim mit Böllerschüssen begrüßt. Ab 1896 wählten die Sänger die Wirtschaft Frankfurter Hof von Josef Victor Safran, genannt „Seppche“ zu ihrem neuen Vereinslokal. In den Jahren 1925, 1927, 1928, 1930 und 1931 konnte der Männergesangverein Concordia auf unvergesslichen Wettstreiten in Niederrad, Schierstein, Mainz-Mombach, Rüdesheim und Sindlingen beachtliche Erfolge erringen, hat Norbert Merkel aus den Aufzeichnungen des Vereins entnommen. Selbst die starken Mitstreiter aus dem Rheinland unterlagen jedes Mal dem Schwanheimer Männergesangverein. Die Erfolge blieben auch in den folgenden Jahren nicht aus, wobei Mittelpunkt seit eh‘ und jeh‘ das Vereinslokal „Seppche“ war und ist, damals Haisack und Saffran.

Mit der Gründung der Sängerlust am 6. November 1870 kamen 31 junge Männer in der Gaststätte Frankfurter Hof zusammen. Schwanheim besaß nun einen weiteren Gesangverein. Gründungsväter waren Joh. H. Wachendörfer und Jakob Safran. Trotz der Kriegswirren von 1870/71 erlebte auch die Sängerlust einen schnellen Aufschwung, insbesondere unter dem Musiklehrer Jean Klauer. Mit ihm feierten die Sänger das 25jährige Bestehen unter den „tausendjährigen Eichen“. Eine der größten Erfolge konnte der Gesangverein Sängerlust 1906 unter der Leitung von Musikdirektor Ferdinand Bischof erringen, als bei einem Wettstreit in Bonn der damals gefürchtete Gesangverein Rheingold-Krefeld bezwungen wurde. „Vierzehn treue Sänger kamen nicht aus dem 1. Westkrieg nach Hause zurück“, so die Chronik. 1923 wurde „Colloseus“ das neue Vereinslokal. Beim Wettstreit in Bürstadt 1949 gelang mit dem Chorwerk „Steh auf Nordwind“ von Jos. Haas der Sieg des erste Klassepreises mit der Anmerkung: „ganz vorzüglich“- sowie der Erhalt des Ehrenpreises. Die Gewinner der Sängerlust zogen wie ein „siegreiches Gladiatorenheer“, umjubelt von der Bevölkerung und den Sängern von Concordia und Liederkranz -so Zeitungsberichte- im geliebten Schwanheim ein. Das Liedgut der damaligen Zeit waren vaterländische Lieder und Chöre, die mit großem Stolz und hohem gesanglichen Können aus den Männerkehlen erklangen. Der Gesang entwickelte sich zunehmend zu ausgefeiltem, mit viel Liebe und künstlerischem Feingefühl vorgetragenen Chorgesang. Sangeswettstreite und Freundschaftssingen bildeten die Höhepunkte vieler namhafter Sängerjahre.

Unbedingt hervorzuheben sind die festlichen Sängertage vom 1.-3. Juli 1950. Mit einem Sängerwettstreit erlebte ganz Schwanheim die gemeinsame Feier des 90. Geburtstages der Concordia 80. Bestehen der Sängerlust. Dazu war ein großes Festzelt mit eigenen Kräften auf den Schwanheimer Mainwiesen aufgebaut worden, wo für Unterhaltung und reichlich Essen und Trinken für die ganze Familie gesorgt war. Als Ehrengast war u. a. der amerikanische Hochkommissar für Deutschland John J. Mc. Cloy anwesend. Durch die Filmaufzeichnungen des Fotografen Bernhard Ott ist die atemberaubende Stimmung des Sängerfestes von 1950 lebendig geblieben. Originalfilmaufnahmen dieses Ereignisses werden beim Jubiläumsempfang im Kath. St. Mauritius-Gemeindehaus am 16. April 2010 gezeigt. – Die Chöre standen mit 120-150 Sängern auf der Bühne – Schwanheim war einst eine erfolgreiche Sängerhochburg. „Im „Schwanheimer Dorf“ wurde der siegreiche Verein in einem Umzug meist förmlich durch die geflaggten und heraus geschmückten Straßen getragen“ erzählt Norbert Merkel mit Begeisterung, dem leider aus den letzten fünf Jahrzehnten der Gesangvereine nur wenige Aufzeichnungen zur Verfügung stehen. Zum Ort des Sangesfestes fuhr jeder damals mit einer „Gesangs-Fan-Schar“ mit Bus, Bahn oder auch mit den wenigen privaten Personenautos. „Viele ältere Sänger sprechen von Fahrten auf der Pritsche eines Lastkraftwagens“ ergänzt er. Es gab viele erfolgreiche und unvergessene Sänger, Dirigenten, Vorsitzende und musikalische Menschen, die die Jubiläumsvereine prägten. Einige sollen hier mit Namen genannt sein: Angefangen bei Fritz Schall über Josef Schleidt bis zu Franz Schlaud (komponierte auch), Willi Heuser, Carl Lembcke, Peter Klein, Wilhelm Belz, Karl Straßenmeier, Johann (Hanni) Lehnert, Karl Eller, Mathias Berz, Gustav Mogler, Peter Nauheimer (mehr als 50 Jahre 1. Kassierer der Concordia), Wilhelm Herber oder den noch lebenden 92-jährigen Ehrendirigenten Hermann Safran. Im Festbuch vom Juli 1950 schrieb der damalige erste Vorsitzende der Concordia, Josef Schleidt, u.a. „Mögen unsere gemeinsamen Jubelfeiern beide Vereine auch fernerhin zusammenführen im Reich der Töne, zur Ehre und zum Nutzen des deutschen Liedes und zum Neubau und zur Neugestaltung unseres Vaterlandes“. Hier begann eine große Freundschaft von Concordia und Sängerlust, die sich bis heute in der Chorgemeinschaft Schwanheim fortsetzt und der seit 1991 auch das Gesangsquartett Teutonia angehört. Väter, Söhne und Schwiegersöhne sangen natürlich immer noch im selben Verein und jedem männlichen Nachfolger war so vorherbestimmt, wo seine Sängerheimat war. In Schwanheim gab es zum Wechsel des vorigen Jahrhunderts weitere Gesangvereine, die an dieser Stelle ebenfalls erwähnt werden sollen: Liederblüte (1902); Mainperle (1928) -beide Vereine existieren nicht mehr-, Liederkranz (1848), Frohsinn (1885) und auch das bereits genannte Gesangsquartett Teutonia (1921). Alle haben großen Anteil an der bedeutenden Tradition im Männergesang in Schwanheim und die sollte erhalten werden. Leider ist von den vielen Traditionsvereinen nur noch der Zusammenschluss von Concordia, Sängerlust und Teutonia als Chorgemeinschaft Schwanheim seit 1991 gesangsfähig. Ihr bekannter Dirigent und Komponist Dipl.-Kapl.-Meister Winfried Siegler ist weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus bekannt. Alle drei Vereine sind bis heute noch rechtlich selbständig, singen aber gemeinsam. „Man sollte die Worte von Josef Schleidt von 1950 neu fassen, eine Zusammenarbeit neu versuchen und den Zeitgeist packen, dann müsste es doch möglich sein, die Zukunft des Gesangs in Schwanheim zu sichern“, so Merkels Wunsch. Das Liedgut der Gründerjahre ist in der Singstunde von heute Opern- und Musical-Melodien, Spirituals, Filmmusik und neue Schlager gewichen.

„Nicht zuletzt haben Liederabende mit Diavisionen erst kürzlich mit unserem Sangesbruder Markus Kneisel einen überwältigenden Zuspruch gefunden“ freut sich der 2. Vorsitzende. „Dazu braucht’s aber Menschen -egal welcher Nationalität und welchen Alters, die Freude am Gesang haben“ ergänzt er und fügt würdigend hinzu: „Allen, die die Chorgemeinschaft Schwanheim finanziell oder durch ihren ehrenamtlichen Einsatz unterstützen, sei hier herzlich gedankt“. Singstunde ist jeweils montags um 18.45 Uhr in den Vereinslokalen Frankfurter Hof/Seppche (in ungeraden Mon. -Mai-) und Turnhalle Saarbrücker Straße (in geraden Mon. -Juni-). Schnuppern ist unverbindlich möglich. Die Schwanheimer Sänger-Tradition soll weiterhin eine Chance haben! Mehr Infos unter Tel. 069/359184 oder 0171/2780981. Den Veranstaltungskalender im Festjahr entnehmen Sie bitte der kommenden Ausgabe der SGZ.


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