7. Waldlesung im Stadtwald

Überwiegend Romantisches mit Harfenklang

Im Frankfurter Stadtwald fand die 7. Waldlesung mit Musik und etwa 150 Zuhörer/Innen statt

(Schwanheim) bvö Die schönste romantische und zugleich amüsanteste Geschichte des warmen Sommernachmittags im Schwanheimer Wald war zweifellos die „Liebesgeschichte aus Masuren“ von Siegfried Lenz, lebendig vorgetragen von Helge Rensch-Bergner. Nebeneinander sitzen sie am Steg. Holzfäller Josef und seine Katharina. Er hat schon den Taufschein vom Pastor besorgt, denn es soll geheiratet werden. Nicht einfach, aber für die etwa 150 Zuhörerinnen und Zuhörer der Romantischen Waldlesung wirklich kurios, ist es zu verfolgen, wie Josef bei „all‘ der Wäsch'“, die Katharina zu erledigen hat, am Ende seinen Heiratsantrag an die Frau bringt. Zum 7. Mal fand am 4. Juli 2010 die traditionelle Waldlesung, wie im Vorjahr an der Kobelt-Ruhe, hinter dem Forsthaus bei den Schwanheimer Wiesen statt: Die Waldromantik, besonders die Zeit von 1798 bis 1835, geprägt von Dichtern wie Joseph von Eichendorff, E.T.A. Hoffmann, Ludwig Uhland und Bettine von Arnim, stand diesmal im Mittelpunkt der Veranstaltung der Revierförsterei Schwanheim, der Stadtteilbibliothek Schwanheim und ihrem Förderverein Schwalb e. V. sowie dem Grüngürtel Frankfurt. Vom Jäger-Hochsitz herab oder auf dem hölzernen Stuhl sitzend, neben dem Gedenkstein des 1. Schwanheimer Arztes Wilhelm Kobelt waren romantische Gedichte zu hören, wie „Ich freu‘ mich der Sommerwonne“ von Hoffmann von Fallersleben oder „Der Nachtigall erzählt“ von Christian Morgenstern. Beides gefühlvoll gelesen von Dieter Koch. Zum Fantasienland des kleinen Menschenkindes Bastian führte Inge Hampel die Besucher der Waldlesung mit der Passage aus Michael Endes „Die unendliche Geschichte“. Förster Scheel hatte sich bei seiner Auswahl der Rezitationen für die sehr nasse „Eselspartie“ von Bettina Arnim, einem Ausflug nach Schlangenbad entschieden, sowie für den Bericht über den liebevollen Kampf von Julia Butterfly Hill um den Erhalt der kalifornischen Redwoodbäume. Eher gruselig, aber mit viel Historischem lehrreich angereichert, waren die Ausführungen des Heimatdichters Norbert Müller über die vorgeschichtlichen Friedhöfe Schwanheims, die sogenannten „Heidebuckel“, deren Hügelgräber heute noch im Wald zu sehen sind. Zeitgenössische Prosa, nicht so romantisch, las die Frankfurter Journalistin und Autorin Jutta Vahrson aus ihrem ersten, im Februar 2010 erschienen Werk „Das Jobtraum-Filmbuch von Architekt bis Zombie“. Es beschreibt 132 Jobprofile aus 85 Filmen, wobei sie für die Veranstaltung Grüne Jobs und das Arbeiten mit dem Waldgeist herausgestellt hatte. Richtig romantisch und sehr besinnlich waren dagegen die Klänge auf der irischen Harfe, gespielt von Karin Frank-André, die melancholisch bis fröhlich stimmten und der gesamten Lesung einen wunderschönen Rahmen gaben. Mit Wildschweinschinken- und Schnittlauchbrot, Apfelwein und einem „Erdbeer-Liebestrank“ von der Försterei war auch für das leibliche Wohl der Literaturfreunde gesorgt.

BU: Bei freiem Eintritt und viel Sonnenschein konnten etwa 150 Literaturfreunde den Nachmittag im Wald mit Harfenklang genießen. Die Revierförsterei Schwanheim, Stadtteilbibliothek Schwanheim und deren Förderverein Schwalb e.V. sowie der Grüngürtel Frankfurt hatten zur 7. Waldlesung eingeladen. Foto: Völker


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