Institut für Stadtgeschichte feiert 575-jähriges Bestehen

„…ein wertvoller Schatz des Gemeinwesens und eine Zierde der Vaterstadt“
Institut für Stadtgeschichte feiert 575-jähriges Bestehen mit einer großen Jubiläumsausstellung
(pia) „Das Institut für Stadtgeschichte ist nicht nur eine der ältesten Einrichtungen Frankfurts, sondern vor allem ein wichtiger Impulsgeber im Prozess der Identitätsbildung unserer Stadt“, sagte Kulturdezernent Felix Semmelroth bei der Vorstellung der Jubiläumsausstellung zum 575-jährigen Bestehen des Instituts. Mit seiner Einschätzung steht er in einer langen Reihe kommunaler Verantwortungsträger. Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts war sich die Stadt-regierung gewiss, dass das Archiv „… ein wertvo ller Schatz des Gemeinwesens und eine Zierde der Vaterstadt“ sei. So jedenfalls steht es auf einer Inschrift am Archivturm Frauenro-de.

Den Bau dieses ersten, 1436 allein zu Archivzwecken errichteten Baus in Frankfurt nahm die Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte, Evelyn Brockhoff, zum Anlass, den Blick auf die eigene Geschichte zu lenken und diese in zahlreichen Veranstaltungen Revue passieren zu lassen. „Immerhin kann sich Frankfurt am Main rühmen, eines der ältesten und bedeutends-ten Kommunalarchive in Deutschland zu unterhalten“, betonte Brockhoff. „Das muss ins Be-wusstsein der Öffentlichkeit gebracht werden“. Die oberste Hüterin der städtischen Überliefe-rung verwies zugleich auf die selbst gewählte Doppelrolle des Instituts als historischer Wis-sensspeicher und Ort für die Vermittlung der Frankfurter Geschichte.

Da die Entwicklung des Instituts für Stadtgeschichte eng mit dem Geschick Frankfurts ver-bunden ist, bot es sich an, beides in einer Ausstellung miteinander zu verknüpfen. In den vergangenen Jahrhunderten entwickelte sich das Archiv zu einer institutionell fest veranker-ten Einrichtung der Geschichtskultur – mit Relevanz für die Stadt und weit über ihre Grenzen hinaus. Wie sich diese Veränderung im Kontext der Stadtgeschichte vollzogen hat, zeigt die Jubiläumsausstellung „Das Gedächtnis Frankfurts. 575 Jahre Institut für Stadtgeschichte“. Sie ist im Karmeliterkloster vom 13. September bis 29. Januar 2012 zu sehen.

Im Mittelpunkt der Schau stehen die Schätze des Instituts. Bei einem Gesamtbestand von zwanzig Regalkilometern gestaltete sich die Entscheidung, was in der Schau gezeigt werden soll, entsprechend schwierig. Die Auswahl fiel auf unbekannte, aber interessante Stücke – etwa Fotos von der Archivarbeit in früheren Tagen – ebenso wie auf einige häufig gezeigte Zimelien des Instituts. Mit einem Blick wird durch das Spektrum der präsentierten Zeugnisse die historische Entwicklung von der Urkunde zum Massenmedium deutlich. Zugleich werden die technischen und konservatorischen Anforderungen an ein modernes Archiv greifbar.

Inhaltlich ist die Ausstellung in drei große Zeitblöcke gegliedert. Der erste Teil stellt die Jahr-hunderte bis zur Annexion durch Preußen 1866 dar. Mit Ausnahme der Napoleonischen Zeit behauptete sich Frankfurt bis dahin als Stadtstaat. Das Ratsarchiv dokumentiert für diesen Zeitraum das gesamte staatliche Handeln von der Außenpolitik über die Strafjustiz bis zu Kriegswesen und Zoll.

Der zweite Zeitblock beschäftigt sich mit den Jahren 1868 bis 1945. Damals konsolidierte sich das Archiv zunächst unter professionellen Bedingungen und konnte 1878 einen Neubau am Weckmarkt beziehen. Ende des Zweiten Weltkrieges verlor die Einrichtung 1944 bei Bombenangriffen, denen auch der Archivbau zum Opfer fiel, unersetzliche Bestände. Ein selten gezeigter Stummfilm vom März 1944 zeigt das Ausmaß der Zerstörungen.

Der dritte Teil umfasst die Jahre von 1945 bis heute. Nach der Zäsur in der NS-Zeit dauerte es Jahrzehnte, bis das Stadtarchiv seine Zukunft wieder aktiv gestalten konnte. Mit Bezug des neuen Außenmagazins 2006 endete die von Provisorien geprägte Nachkriegszeit. Durch die umfassende Sanierung des Karmeliterklosters erhielt das Institut für Stadtgeschichte 2010 optimale Bedingungen für seine aktive Geschichtsvermittlung, mit der es heute rund 100.000 Menschen jährlich erreicht.

Die chronologische Darstellung ergänzen Themenschwerpunkte zur Archivarbeit. Dazu zäh-len, Bestandserhaltung oder Konservatorischer Aufbewahrung, aber auch besondere Samm-lungsschwerpunkte wie Bilder und Nachlässe. Erstmals wird dabei auch eine stilisierte Po-saune, die der berühmte Jazzmusiker Albert Mangelsdorff von einem Fan geschenkt bekam, ausgestellt.

Anstelle eines Buches hat Institutsleiterin Brockhoff einen Kurzfilm über das Selbstverständ-nis des Instituts für Stadtgeschichte drehen lassen, der die gegenwärtige Arbeit auf lebendi-ge Weise darstellt und den Abschluss der Ausstellung bildet.

Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten soll es aber nicht nur um die Vergangenheit gehen. In ei-nem ganztägigen Symposion für Fachleute und historisch Interessierte am 8. Oktober unter dem Titel „Bildgedächtnis und Stadtidentität“ werden aktuell und zukünftig relevante Fragen thematisiert. Das Institut für Stadtgeschichte betreut mit rund zwei Millionen Fotos eine auch bundesweit herausragende stadtgeschichtliche Fotosammlung. Daraus ergeben sich im Zeitalter der Digitalisierung künftig neue Chancen, es sind aber auch neue Aufgaben zu be-wältigen.

Die vier Referenten Dieter Bartetzko (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Michael Crone (Hes-sischer Rundfunk), Stefan Eickeler (Fraunhofer Institut für Intelligente Analyse- und Informa-tionssysteme) und Jürgen Reiche (Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland) werden die Bedeutung visuellen Kulturgutes für Erinnerung und Orientierung ausloten. Sie stellen sich der Frage, welche technischen, archivischen, wissenschaftlichen und ikonografischen Herausforderungen in Zukunft auf das Archiv zukommen werden. Stra-tegien der Langzeitarchivierung sowie Chancen und Risiken der multimedialen Geschichts-vermittlung sollen in der von Michael Fleiter (Institut für Stadtgeschichte) moderierten Ab-schlussrunde ebenfalls diskutiert werden.

Das Zustandekommen der Ausstellung und des Symposions am 8. Oktober von 10 bis 18 Uhr ist der großzügigen Förderung der Ernst Max von Grunelius-Stiftung zu verdanken. Die Teilnahme kostet 10 Euro inklusive Getränke. Anmeldungen sind per E-Mail an in-fo.amt47@stadt-frankfurt.de oder unter Telefon 069/212-31417 möglich.


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